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Gedenken an Familie Faber

Brief von J. Mertens (VVN-BdA) and Gerlinde Böcking (SPD) vom 22.02.2001

Sehr geehrte Frau Böcking,

in den vergangenen Monaten hat eine rege, längst überfällige Debatte rund um das Thema „Rechtsextremismus” begonnen. In dieser Debatte geht es auch immer wieder um die Aufarbeitung der Geschichte des Nationalsozialismus und der Vermittlung dieser an jüngere Menschen. Es ist ein alt bekannter Umstand, dass im Siegerland eine Aufarbeitung dieser Geschichte noch weitestgehend fehlt und somit auch die Auseinandersetzung mit dieser Thematik keinen sehr hohen Stellenwert einnimmt. Ich denke, dass die Stadt Netphen hierin keine Ausnahme bildet.

Ich selbst befasse mich schon seit geraumer Zeit mit dem Nationalsozialismus im Siegerland. Im Zuge dieser Auseinandersetzung bin ich vor längerer Zeit auch auf den Namen der in Netphen lebenden jüdischen Familie Faber gestoßen.

Die Familie, wohnhaft in der Sieg-Lahn-Straße 4, wurde am 27.7.1942 nach Theresienstadt deportiert, später dann von dort aus in das Vernichtungslager Auschwitz. Dort wurde alle Familienmitglieder, die Eltern Gustav (*28.10.1884) und die Mutter Klara Faber (*17.5.1883),k sowie deren Tochter Anita Ruth (*2.7.1927), am 29.1.1943 ermordet.1 Im Jahre 1985 erinnerte der Rat der Gemeinde Netphen durch die Bennenung der Gustav-Faber-Straße zumindest an den Vater.2

Angeregt durch die derzeitigen Diskussionen möchte ich Ihnen folgenden Vorschlag unterbreiten und Sie um eine Stellungnahme bitten:

Zwar erinnert in Netphen ein Straßenname an Gustav Faber, allerdings gibt es kein Legendenschild, welches Auschluss über die Person Gustav Faber gibt. Darüber hinaus lässt diese Form Klara Faber und die Tochter Anita Ruth vollkommen unberücksichtigt. Ich möchte somit vorschlagen, ein Legendenschild an dem entsprechenden Straßenschild anzubringen.

Zum Zweiten möchte ich die Anbringung einer Gedenktafel am ehemaligen Wohnhaus der Familie Faber (heute Getränkemarkt) anregen. Eine solche Gedenktafel könnte ein wichtiger Anstoss gerade auch für jüngere Menschen zur Auseinanderstzung mit der Vergangenheit sein und wäre außerdem ein erster Schritt das Schweigen darüber, dass es Nationalsozialisten auch in Netphen gab, zu beenden.

Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie mir Ihre Meinung hierzu mitteilen würden.

Mit freundlichen Grüßen

Joachim Mertens


1 Dieterman, Klaus. Jüdisches Leben in Stadt und Land Siegen. Siegen, 1998.

2 Opfermann, Ulrich. Siegerland und Wittgenstein im Nationalsozialismus. Personen, Daten, Literatur. Ein Handbuch zur regionalen Geschichte. Siegen, 2000.


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